Die Südumfahrung Holzkirchen hat endgültig ein Gesicht.

Bericht der Ortsvorsitzenden Bündnis 90/Die Grünen Holzkirchen, Dorothea Deutsch, zur Holzkirchner Gemeinderatssitzung vom 19.05.2022. zum aktuellen Stand der Ortsumfahrungen Holzkirchen, Großhartpenning und Kurzenberg.

Nun ist es auch für diejenigen klar, die es lange nicht wahrhaben wollten und den Bürgerinnen und Bürgern anderes versprochen hatten: Wer eine Südumfahrung will, der muss sie auf den Trassen der V5 für Holzkirchen und der V4 für Großhartpenning und Kurzenberg akzeptieren.

Das ist nicht überraschend. Auch in Holzkirchen gelten eben die gesetzlichen Regelungen zum Natur- und Artenschutz, die die Fachbehörde bei ihren Planungen zum Verlauf einer möglichen Südumfahrung zwingend beachten müssen. Ansonsten scheiterte das Vorhaben spätestens im Planfeststellungsverfahren.

Die immer wieder auftretende Frage „ist denn die Fledermaus wichtiger als der Mensch?“ kann natürlich klar mit „Nein“ beantwortet werden. Die Belange des Menschen werden in der Raumwiderstandsanalyse genauso beachtet, z.B. durch Mindestabstände zu Wohngebäuden, nicht zuletzt durch die Berücksichtigung des Bundesimmissionsschutzgesetzes. In der Abwägung verschiedener Trassenvarianten hat jedoch die Trasse immer zwingend Vorrang, die den im Vergleich geringsten Raumwiderstand aus der Summe aller Schutzgüter, darunter Mensch und Natur, darstellt und die keine naturschutzrechtlichen Verbotstatbestände aufweist.

Aber auch die V5 und die V4 stellen erhebliche Eingriffe in unsere Kultur- und Naherholungslandschaft dar. Wenn die Schönheit der Natur leidet, die Landschaft zerschnitten wird, Naherholungsgebiete, Lebensräume für Flora und Fauna und landwirtschaftlich Produktionsflächen verschwinden, ist es richtig und gut, wenn wir uns betroffen fühlen. Denn es geht um unsere Heimat.

Nur dann fangen wir an, uns zu fragen, ob wir die Verkehrsprobleme nicht besser in den Griff bekommen können, ohne der Natur immer neue Opfer abzuverlangen. Es ist höchste Zeit, diese Wege zu beschreiten. Wir werden dabei bestärkt und gedrängt durch die vielen aktuellen und dringenden globalen Probleme. Unser Verhalten muss sich ändern, wenn wir den Klimawandel erfolgreich bekämpfen wollen. Der Krieg in der Ukraine hat ruckartig die Sprit- und Energiepreise verteuert und stellt auf seine Art die Weichen für eine Verkehrswende.

Die Umfahrungsstraßen sollen den Durchgangsverkehr um Holzkirchen, Großhartpenning und Kurzenberg leiten. Wir aber wollen den Verkehr nicht anderen zuschieben, sondern den störenden Verkehr, egal ob Ziel-, Quell-, Binnen- oder Durchgangsverkehr, deutlich reduzieren. 50% Verlagerungspotential vom Auto auf den öffentlichen Verkehr, Rad- und Fußverkehr haben die Verkehrsexperten und Autoren des Mobilitätskonzeptes 2017 für Holzkirchen festgestellt.

Das bedingt viele Maßnahmen, wie den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs, insbesondere die Ausweitung des MVV Tarifs. Günstig mit der Bahn von Bad Tölz nach München fahren ist für viele Autofahrer eine interessante Alternative. Dazu kommt der Umbau des Ortskerns in Holzkirchen: im Zentrum weniger Platz für Autos, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Wie das geht, zeigt uns das Mobilitätskonzept. Für den verbleibenden Verkehr wird eine zügige Einführung der Elektromobilität die Emissionsprobleme signifikant reduzieren. Der Ukrainekrieg befeuert dabei die Energiewende: mehr grüner Strom, weniger Öl und Gas. Eine Tempo 30 Regelung innerorts, auch auf Durchgangsstraßen, ist nur vom politischen Willen abhängig und reduziert signifikant die Belästigungen durch den noch verbleibenden Verkehr. Packen wir’s an. Es liegt an uns.

Robert Wiechmann, der seit gut 30 Jahren den Streit um die Südumfahrung mitverfolgt, kommentierte die letzte Vorstellung der Straßenbaubehörde so:

„Die möglichen Umgehungsstraßen haben nun endgültig ein Gesicht. Dank gilt der Bauverwaltung Rosenheim, strikt nach fachlichen und rechtsstaatlichen Grundsätzen gehandelt zu haben. Dank gilt dem Bürgermeister, sich den Realitäten endlich zu stellen. Die Befürworter einer Südumfahrung sind nun mit Trassen konfrontiert, die sie selbst nie wollten. Für die Gegner einer Südumfahrung ändert sich nichts: Die Entlastungswirkung einer Umfahrung steht für uns in keinem Verhältnis zu der damit verbundenen Landschaftszerstörung. Die Bürgerinnen und Bürger haben jetzt die Wahl.“

Weitere Links zum Projekt auf der Webseite des staatlichen Bauamtes Rosenheim.

Raumwiderstandskarten des Straßenbauamtes von 2020.

Übersichtskarte des Straßenbauamts zur Trassenführung aus der Machbarkeitsstudie 2021.

Faunistische Analyse 2021.

Artikel Merkur zur Sitzung des Gemeinderats vom 19.05.2022.