Mittelschule und Bauhof: Chance für mehr Klimaschutz vertan, Teil I

Seit 11 Jahren wurden in Holzkirchen alle gemeindlichen Gebäude in moderner, klimaschutzfreundlicher Holzbauweise errichtet. Aus guten Gründen, mit großem Erfolg. Ausgerechnet in dem Jahr in dem der Klimaschutz in aller Munde ist, wurde diese Tradtion bei den aktuell größten anstehenden gemeindlichen Bauprojekten – dem Bauhof und der Mittelschule – ohne jede technische Notwenigkeit durchbrochen.

Am 12. Oktober 2021 standen zwei große gemeindliche Neubauten zur finalen Abstimmung im Marktgemeinderat: Bauhof und Mittelschule.Vorgeschaltet waren jeweils Abstimungen zur Bauweise. Die Fragestellungen:

– Tragwerk Bauhof: Stahl oder Holz?
– Neubau Mittelschule: Holzhybridbauweise mit sehr wenig Holz (nur Aussenwände), oder überwiegender Holzbauweise (auch Decken und tragende Wände)?

Nachfolgend die Rede von Fraktionssprecher Robert Wiechmann, zunächst nur zur Verwaltungsvorlage, das Tragwerk des neuen Bauhofes in Stahlbauweise zu errichten. Es gilt das gesprochene Wort!

„Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Zunächst vielen Dank an die Architekten. Zum einen nochmals für die im Rahmen der Planungen nachweislich gute Zusammenarbeit mit den späteren Nutzern. Denn das Wichtigste ist natürlich, dass der Bauhof funktionsgerecht gebaut wird.

Zum anderen für die diesmal sehr qualifizierte Gegenüberstellung der jeweiligen Vor- und Nachteile von Stahl- und Holzbauweise. So ist z.B. das Thema Brandschutz diesmal richtigerweise zu einem Vorteil für die Holzbauweise herausgearbeitet worden …

Seit 2010 – beginnend also noch unter Bürgermeister Höß – wurde in Holzkirchen mit der Ausnahme der Frischeküche jeder kommunale Bau in moderner, klimaschutzfreundlicher Holzbauweise errichtet. Sehr viele Kindergärten waren darunter, an der Spitze die herausragend gelungene Kindertagesstätte in der Erich Kästner Straße, ein neues Verwaltungsgebäude unserer Gemeindewerke, unsere kommunalen Wohnungsbauten, bis hin zur Maschinenhalle unserer Geothermieanlage. Hier übrigens aus Brandschutzgründen! Wir haben das geschafft, auch, weil wir eben nicht allzu kleinmütig gerechnet haben. Sondern weil wir als wohlhabende Gemeinde den Holzbau um seiner unstrittigen Vorteile für das Gemeinwohl mehrheitlich wollten und die in der Fachpresse genannten Mehrkosten von 10% jeweils in Kauf genommen haben.

Und jetzt durchbrechen wir diese Tradtion, für die wir viel Anerkennung und Wertschätzung erfahren haben. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Klimaschutz Leitthema der politischen Debatte ist. Nach Sebastian Franz mit Blick auf die „Ökonomie“. Lieber Sebastian, ich bin von Beruf Wirtschafter. Und wie die 69 großen Unternehmen, die diese Woche die deutsche Politik öffentlich zu deutlich mehr Klimaschutz aufgerufen haben, weiß ich sehr genau, dass unsere Wirtschaft, unser Wohlstand, durch nichts mehr bedroht wird, als durch weitere Unterlassungen im Bereich Klimaschutz. 

Frau Staatsministerin Kaniber schreibt gefühlt alle 3 Monate Aufrufe an die Kommunen, doch endlich mehr in den klimafreundlichen, nachwachsenden Baustoff Holz zu investieren. Wir aber sollen beim Tragwerk des Bauhofes jetzt dem Klimakiller Stahl den Vorzug geben, dessen Rohstoffe in Deutschland zudem ausschließlich aus Ländern wie der Türkei, Russland oder China kommen.

Bei der Produktion von Stahl werden je Tonne 2 Tonnen CO2 freisetzt. Nicht gut.

Der nachwachsende Rohstoff Holz wächst reginal – auf 50% unserer Landkreisfläche. Dessen Gewinnung bedeutet Wertschöpfung vor Ort. Holz entzieht auf die Lebensdauer des Gebäudes der Atmosphäre je Tonne verbauten Holzes 2 Tonnen CO2. Das ist praktizierter Klimaschutz. Die rechnerischen Ungenauigkeiten seien mir an dieser Stelle aus rein sprachlichen Gründen verziehen.

Ein Tragwerk aus Stahl, ausgerechnet beim Bauhof. Der Bauhof ist Wirkstätte auch für Bauhofmitarbeiter, die unsere gemeindlichen Wälder pflegen und dort Holz ernten. Und das Produkt der gemeindlichen Wälder wollen wir selbst nicht konsequent verwenden? Was soll denn das für eine politische Botschaft sein, was ist denn das für eine story?

Die unsere ist es jedenfalls nicht. Schon gar nicht bei Mehrkosten von nur 1,3% der Gesamtbausumme.

Ihr werdet alle gemerkt haben, dass wir Gemeinderäte für die hohen Gesamtbaukosten des Bauhofes in der Kritik stehen. Wir Grüne halten das aus. Weil der Neubau nun wirklich längst überfällig ist. Noch besser aber hielten wir das aus, wenn wir mit diesem Bau auch klimapolitische Zeichen setzten.

Deshalb bitten wir Euch sehr eindringlich, unserem heimischen Rohstoff Holz den Vorzug zu geben.“

Bericht: Robert Wiechmann

Zum Bericht im Merkur.

Bericht über die Mittelschule folgt.

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